Entkoffeinierter Kaffee ist längst nicht mehr die fade Ausnahme von früher. Aber wie wird entkoffeinierter Kaffee eigentlich hergestellt, und wie viel Koffein bleibt darin übrig? In diesem Artikel lesen Sie, wie Decaf entsteht, welche Methoden es gibt und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Was genau ist entkoffeinierter Kaffee?
Entkoffeinierter Kaffee, auch Decaf genannt, ist gewöhnlicher Kaffee, aus dem nahezu das gesamte Koffein entfernt wurde. Das geschieht immer vor dem Rösten, wenn die Bohnen noch grün sind. Innerhalb der Europäischen Union darf Kaffee erst dann entkoffeiniert heißen, wenn die gerösteten Bohnen maximal 0,1% Koffein enthalten. In der Praxis enthält eine Tasse Decaf dadurch noch etwa 2 bis 5 Milligramm Koffein, gegenüber 60 bis 90 Milligramm in einer normalen Tasse Kaffee.
Decaf ist also nicht völlig koffeinfrei, aber die Menge ist so gering, dass die meisten Menschen nichts davon bemerken.
So funktioniert das Entkoffeinieren
Alle Methoden folgen demselben Prinzip: Die grünen Bohnen werden befeuchtet, wodurch das Koffein löslich wird. Anschließend wird das Koffein mit einem Lösungsmittel oder mit Wasser aus der Bohne gezogen. Die Kunst besteht darin, das Koffein zu entfernen, ohne die Hunderten von Aromastoffen in der Bohne zu beeinträchtigen. Danach werden die Bohnen getrocknet und ganz normal geröstet, genau wie regulärer Kaffee.
Die vier bekanntesten Decaf-Methoden
Vier Methoden werden in der Kaffeeindustrie am häufigsten eingesetzt:
- Die Swiss-Water-Methode: Das Koffein wird ausschließlich mit Wasser und einem Kohlefilter entfernt, ohne chemische Lösungsmittel. Diese Methode ist bei Specialty Coffee beliebt und bewahrt viel Geschmack.
- Die CO2-Methode: Unter hohem Druck bindet flüssiges Kohlendioxid das Koffein und führt es ab. Eine saubere und präzise Methode, die vor allem für größere Mengen verwendet wird.
- Die Ethylacetat-Methode: Ethylacetat ist ein Stoff, der von Natur aus in Obst und Zuckerrohr vorkommt. So hergestellter Decaf wird deshalb oft Sugarcane Decaf genannt und hat eine leicht süßliche Note.
- Die Methylenchlorid-Methode: ein klassisches Lösungsmittel, das Koffein sehr gezielt bindet. Rückstandswerte sind streng reguliert und verdampfen beim Rösten nahezu vollständig.
Schmeckt entkoffeinierter Kaffee anders?
Früher hatte Decaf einen mäßigen Ruf, und das nicht ganz zu Unrecht. Das Entkoffeinieren war grob und die verwendeten Bohnen waren oft von geringerer Qualität. Das hat sich geändert. Moderne Methoden sind viel präziser, und Marken wie illy und Lavazza verwenden für ihren Decaf dieselbe Bohnenqualität wie für ihre regulären Mischungen.
Dennoch kann der Entkoffeinierungsprozess den Geschmack leicht beeinflussen. Decaf schmeckt manchmal etwas milder und weniger bitter, weil Koffein selbst ein Bitterstoff ist. Gut gemachter entkoffeinierter Kaffee kommt dem Original geschmacklich jedoch sehr nahe, besonders als Espresso oder Cappuccino.
Für wen ist Decaf eine gute Wahl?
Entkoffeinierter Kaffee ist in mehr Situationen praktisch, als Sie vielleicht denken:
- Sie reagieren empfindlich auf Koffein und werden davon unruhig oder bekommen Herzklopfen.
- Sie möchten am Abend noch eine leckere Tasse Kaffee trinken, ohne schlechter zu schlafen.
- Sie sind schwanger und möchten Ihre Koffeinaufnahme begrenzen.
- Sie trinken viele Tassen am Tag und möchten einen Teil davon durch Decaf ersetzen.
Viele Kaffeetrinker kombinieren deshalb normalen Kaffee tagsüber mit Decaf nach dem Abendessen. So müssen Sie auf nichts verzichten.
Worauf achten Sie beim Kauf von Decaf?
Schauen Sie zuerst auf die Zubereitungsmethode, die Sie zu Hause verwenden: Entkoffeinierten Kaffee gibt es als Bohnen, gemahlenen Kaffee, Pads und Kapseln. Achten Sie danach auf die Entkoffeinierungsmethode, wenn Ihnen das wichtig ist; vor allem Swiss Water und Sugarcane Decaf werden oft auf der Verpackung angegeben. Und achten Sie wie bei normalem Kaffee auf Röstung und Intensität, die zu Ihrem Geschmack passen.
Neugierig, was es alles zu entdecken gibt? In unserer Übersicht mit allem Kaffee finden Sie auch die entkoffeinierten Varianten bekannter Marken, von Bohnen bis Kapseln. So schmecken Sie selbst, dass eine gute Tasse Kaffee ohne Koffein genauso lecker sein kann wie das Original.
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